Geplant - verplant und unverhofft kommt oft

Ach ja, der Umzug nach Köttmannsdorf - in das Elternhaus von Michael.

Es ist ein wirklich großes Haus mit viel Grundstück - auch wenn es durch die Terrassen und die Hänge nicht optimal nutzbar ist - aber sehr schön.

Einzige Unbekannte - die Schwiegermutter in spe wohnt auch mit im Haus.

Ob das gut geht?

Man hört immer wieder diese "Horrorgeschichten" von Schwiegermüttern und Schwiegertöchtern. Und irgendwie gehen die Geschichten mit mehreren Generationen immer ähnlich aus. Die verschiedenen Parteien können und/oder wollen einfach nicht miteinander klar kommen. Es werden alle möglichen und unmöglichen Hebel in Bewegung gesetzt um die andere Partei los zu werden. Und am Ende gibt es meistens nur Verlierer. Jeder hat seine Ruhe, Gelassenheit und Zufriedenheit verloren. Oft gehen Familien, Beziehungen und Ehen daran kaputt.

Na, da könnt ihr euch vorstellen welche Ängste ich hatte.

Und klar dazu kam dann noch die Angst, dass ich genau durch meine Ängste diese Situation vor der ich Angst hatte heraufbeschwören würde.

Jaaaaaa- ich bin manchmal kompliziert - nein eigentlich immer - und ja, mein Kopf findet hunderttausend Gedanken, was alles schief gehen könnte und was wohl passieren wird.

Also habe ich versucht mich zusammenzureißen. Einfach ich zu sein.

Naja, so wirklich gut ging das nicht. Und ja es tut immer noch weh an diese Zeit zu denken - obwohl nun schon einige Jahre dazwischen liegen.

So hatten wir geplant, dass wir als kleine Familie den mittleren Hausteil (Oberes Erdgeschoss - wegen Hanglage) nutzen würden und wir später den Dachboden ausbauen - damit wir noch etwas mehr Platz bekommen - da wir zu unserem großen Sonnenschein noch zu gerne ein Geschwisterchen haben wollten. Und für Zwergenstadt brauchten wir ja auch Platz. Meine Schwiegermutter in spe würde das untere Erdgeschoss nutzen.

Also wurden beide Wohnbereiche dementsprechend hergerichtet. Jeder Bereich hatte seinen eigenen Eingang und den Garten wollten wir gemeinsam nutzen. Es war so schön geplant.

Doch wie sagt man so schön: "Der Mensch denkt, doch Gott lenkt" oder "Wenn der eine nicht will kannst du nicht in Ruhe leben".

Ich glaub ihr könnt euch denken, was sich nach dem Einzug langsam aber sicher einschlich. Wie sich die Situation Stück für Stück verschlechterte und ich irgendwann als weinendes Häufchen Elend am Wohnzimmerboden saß (mein kleiner Sonnenschein hielt seelig seinen Mittagsschlaf) und versuchte durch Kuscheln mit unseren 2 Hundedamen etwas Trost zu finden. Ganz in meiner Hilflosigkeit der Situation gegenüber verloren, sodass mir gar nicht bewusst war, dass Michael bald nach Hause kommen würde.

Wäre mir dies bewusst gewesen hätte ich die Tränen weggewischt, mein Gesicht mit kaltem Wasser gewaschen und meinen Mann wenn auch nicht lachend so aber wenigstens lächelnd empfangen. Immerhin war das "Problem" zwischen seiner Mutter und mir begraben - auch wenn mir nicht so recht bewusst war warum - und auch heute mit einiger Zeit abstand verstehe ich es noch immer nicht.

Und ich wollte mich für ihn und unseren kleinen Mann zusammenreißen, meine zwei Männder nicht in die Situation bringen, dass sie das Gefühl bekämen sich entscheiden zu müssen.

Tja, nur diesmal glänzten die Tränen noch ganz frisch auf meinen vom weinen roten Wangen als Michael nach Hause kam.

Er sah mich nur an und fragte mit besorgter Stimme was denn passiert wäre und ich konnte nicht mehr. Ich konnte meine Hilflosigkeit und meine Wut und mein Unverständnis nicht mehr verstecken und alles brach aus mir heraus.

Ich schluchzte wie ein Schlosshund derweil ich ihm alles erzählte.

Ihm meine Gedanken und Ängste versuchte zu erklären die sich in den letzten Wochen und Monaten aufgestaut hatten. In Wochen und Monaten in denen ich mich nicht mehr traute mit meinen Hunden und meinem Sohn in den Garten zu gehen, oder auch nur die Balkontür oder Fenster offen zu halten - in der Angst wieder etwas zu hören oder anderweilig mitzubekommen was ich gar nicht wollte. In der Angst mich wieder falsch zu verhalten ohne es zu wissen, ohne es zu wollen.

Ich erzählte ihm einfach alles - auch diese vielen kleinen Details die ich ihm die letzten Wochen und Monate nicht erzählt hatte - um ihn zu beschützen - um ihn nicht seine Mutter in einem anderen Licht zu zeigen als er sie selber sah. Doch diesmal erzählte ich alles.

Und nach einem schier endlos langem Monolog musste ich ihm sagen, dass ich so nicht mehr leben konnte.

Ich musste es ihm sagen, nicht weil ich ihn nicht liebte - oh nein, ich liebte ihn und liebe ihn heute noch mehr als damals - aber ich musste es ihm sagen, da ich langsam aber sicher nicht mehr ich war. Ich war nur noch bedrückt und lachte kaum, und selbst wenn ich lachte - lachte ich nicht.

Und ich hatte eine Verantwortung meinem kleinen Mann gegenüber. Er sollte nicht in so einem von Streit und Zank geplagten Umfeld aufwachsen. Und er sollte nicht sehen müssen wie seine Mama immer wieder weinte - und in letzter Zeit konnte ich es immer weniger verheimlichen.

Michael war sprachlos - schien geschockt von alldem was ich ihm erzählte.

Was passiert war. Was ich gehört hatte ohne es hören zu wollen. Was getan wurde.

Es war schrecklich.

Es war die letzte Zeit schrecklich, doch es war noch schrecklicher ihn jetzt so zu sehen.

Ich weinte und weinte und wusste wirklich nicht mehr weiter.

Nach einer Weile versprach er mir, dass er alles daran setzen würde, diese Situation wieder ins Lot zu kriegen - er bräuchte nur etwas Zeit.

Natürlich gab ich ihm diese benötigte Zeit nur zu gerne und schöpfte Hoffnung, dass es doch noch alles gut werden würde.

 

Tja, weit gefehlt!

Michael versuchte wirklich sein Bestes! Er sprach mit seiner Mutter. Holte sich Rat und Hilfe bei Verwandten und Freunden.

Doch es wurde nicht besser - es wurde immer schlimmer.

Und das schlimmste für mich war nicht, was mir angetan wurde und über mich erzählt wurde, das schlimmste für mich war, dass Michael, der wirklich versuchte es allen Parteien recht zu machen und Kompromisse zu finden, immer mehr - regelrecht als "Teufel" hingestellt wurde von seiner eigenen Mutter.

 

Irgendwann waren wir beide am Ende unserer Kräfte! Dieses Leben im Haus war kein Leben. Wir waren so selten wie möglich zu Hause. und für Zwergenstadt hatten wir oft weder Kopf noch ein Händchen - da jeden Tag eine Schreckensmeldung die nächste jagte.

Ach, schönes Leben wo warst du nur?

Und unsere liebevoll aufgebaute kleine Zwergenstadt - natürlich stellten wir kaum noch neue Artikel rein, verkauften dadurch weniger und oft kamen dann diesbezüglich auch schlechte Rückmeldungen der Kundschaft. Zu wenig Angebot! Doch man kann ja schlecht seinen Kunden erzählen, in welchem Horrorhaus man gerade dahin vegetiert.

Also schleppten wir uns mit unserer restlichen Kraft zu einem Rechtsanwalt. Diesen Schritt wollten wir nie gehen, doch wir wussten keinen anderen Ausweg mehr. Und es folgten einige offene und oft schmerzhafte Gespräche mit diesem Rechtsanwalt.

Am liebsten wären wir ja einfach aus dem Haus ausgezogen und hätten uns unser Leben irgendwo neu aufgebaut - doch Michael gehörten 50% des Hauses und das musste geregelt werden - doch ohne rechtliche Hilfe ging leider nichts mehr.

Wochen und Monate vergingen - ein rechtlicher Termin jagte den nächsten.

Doch nach schier endlos langer Zeit rückte eine Lösung in greifbare Nähe und dank der Hilfe unseres Rechtsanwaltes wurde diese Lösung Realität!

Ende 2015 zog Schwiegermutter in Spe aus und wir konnten ihr - dank Kredit - ihre 50% abkaufen.

Wir waren geschafft - geschafft hatten wir es ja noch nicht.

Wir waren K.O. und erledigt - doch wir hatten die Hoffnung geschenkt bekommen, dass sich unser Leben nun endlich wieder normalisieren würde.

Wir mussten ab jetzt sehr auf unsere Finanzen achten - denn so ein Kredit muss erst mal zurückgezahlt werden - und die ganzen Nebenkosten galt es auch noch zu begleichen. Große Sprünge konnten wir vorher auch schon nicht machen - aber nun hieß es erst mal jeden Cent doppelt oder dreifach umdrehen.

Doch wir hatten Hoffnung!

Es dauerte eine Weile bis vor allem ich mich wieder traute mich frei im Haus und am Grundstück zu bewegen.

Oft kam ich mir beobachtet vor und manchmal hätte ich auch schwören können "Ihre Gestalt" gesehen zu haben, wie sie mich verfolgte.

Oh ja, so ein bisschen Verfolgungswahn hatte sich tatsächlich bei mir eingeschlichen - doch die Zeit, meine zwei Männer und unsere Hunde halfen mir,

sodass ich recht bald wieder mit meinem Sonnenschein im Garten spielte, auch wenn Michael nicht zu Hause war - und ja - das war ein riesenschritt für mich!

Seitdem Schwiegermutter ausgezogen ist kehrte immer mehr Ruhe ins Haus zurück - auch wenn es Dank dem Kleinen alles andere als ruhig war,

denn er und die Hunde freuten sich wohl am meisten. Sich endlich wirklich frei bewegen können und rumrennen und auch mal laut herumquietschen. Ja, diese Momente - wenn ich sah wie zufrieden mein Kleiner war - heilten diese Wunden der vergangenen Zeit.

Nun ja und auch wenn es nun schon bald 2 Jahre dauerte, dass sich ein kleines Geschwisterchen zu uns gesellen würde - so war auch hier die Hoffnung groß, dass dies nun nachdem alles ruhiger und gelassener wurde auch in Erfüllung gehen würde.

 

Wobei wir so beim Thema unverhofft wären.

Warum?

Weil ich kaum 14 Tage nachdem alles geregelt war - einen kleinen Test mit 2 zartrosa Strichen in den Händen hielt.

Und ich weinte wieder als Michael nach Hause kam.

Aber diesmal vor Glück!

Und unser so turbulentes Leben wurde ruhiger und aufregender im gleichen Augenblick.

 

Rückblickend weiß ich wie knapp es war, dass wir als Familie durchgehalten haben. Und ich weiß wieviel Kraft Jeder von uns für "Uns" aufgebracht hat. Ich hätte gut auf diese Erfahrungen verzichten können doch bin ich auch dankbar dafür - dieses unendliche Vertrauen dadurch gefunden zu haben. Dieses Vertrauen in "Uns" und darin, dass wir wirklich alles schaffen können!

 

Eure Christin mit ihren Männern

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Kommentare: 6
  • #1

    Melli (Dienstag, 07 Februar 2017 15:54)

    Hi Christine,
    Ohje. Da habt ihr ja einiges hinter euch. Aber wenigstens ist es gut ausgegangen obwohl ihr sicherlich auf den ganzen Stress hättet verzichten können.
    LG Melli

  • #2

    Stephi (Dienstag, 14 Februar 2017 10:55)

    Es freut mich sehr für euch beide, dass ihr zusammen- und durchgehalten habt! Ich bin mir sicher, dadurch seid ihr auch noch ein gutes Stück zusammengewachsen � Daran sieht man aber auch, wie wichtig es ist, ehrlich mit seinem Partner umzugehen. Ich drücke euch jetzt für die Zukunft alle Daumen, dass ihr weiterhin glücklich bleibt.

    Liebe Grüße
    Stephi

  • #3

    Vanessa (Dienstag, 14 Februar 2017 11:27)

    Ich kann dich nur zu gut verstehen. Ich hatte/ habe auch nicht das beste Verhältnis zu meiner Schwiegermutter und ein Zusammenleben wäre für mich nie in Frage gekommen. Ich wünsche euch alle Kraft und vor allem vorher Freude und Glück!

  • #4

    Lisa (Dienstag, 14 Februar 2017 12:28)

    Hallo,
    puh, beim Lesen habe ich eine Gänsehaut bekommen ... Es ist heftig, was ihr da durchlebt habt. Es ist schade, dass es sich nicht anders lösen ließ. Wer geht schon gerne mit solch einer Sache zum Anwalt? Aber es ist toll, dass ihr so zusammengehalten habt! Und nun nach vorne blicken könnt! :)
    Ganz liebe Grüße, Lisa

  • #5

    Jule (Dienstag, 14 Februar 2017 12:34)

    Oh Mann, da habt ihr aber einiges hinter Euch.. Aber denke dran: Was einen nicht umbringt... :-) Viel Glück für Dich & Deine Familie!!

  • #6

    Caro (Mittwoch, 15 Februar 2017 11:47)

    Oh man, das hörte sich ja anfangs wirklich furchtbar an. Ich freue mich aber sehr, dass ihr das als Familie gemeistert habt. Ich wünsche euch alles Liebe für die Zukunft.

    Viele liebe Grüße,
    Caro